Individuelle Lernwege ermöglichen – Das digitale Netzwerktreffen der LemaS-Teilprojekte 18 und 19

Am 26. November 2021 fand das Netzwerktreffen der beiden LemaS-Teilprojekte „Diversitätssensibles Lernen mit komplexen Aufgaben im Fremdsprachenunterricht des Fachs Englisch“ (TP 18) und „Individuelle Förderung mit PEP – Personalisierte Entwicklungspläne (PEP) als Instrument einer individuellen Begabungsförderung“ (TP19) in einem digitalen Rahmen statt.

Der Titel „Individuelle Lernwege ermöglichen: Fachübergreifende Planung und fachdidaktische Aufgabenorientierung als Ansätze der individuellen Leistungsförderung“ lud zum Austausch über die Einsatzmöglichkeiten, Potenziale und Verknüpfungspunkte der beiden Teilprojekte ein. Ziel der Veranstaltung war die synergetische Verbindung beider LemaS-Projekte in der Entwicklung von Konzepten und Ideen. Hierfür wurden zwei Kleingruppen-Phasen genutzt, in welchen die teilnehmenden Lehrpersonen sich zu den herausgearbeiteten Leitfragen austauschen konnten.

Projektvorstellungen und erster Austausch

Zum Auftakt des Treffens stellten sich die Teilprojekte 18 und 19 vor. Anschließend gingen die beiden Projektleiter Prof. Hallet (TP18) und Prof. Wollersheim (TP19) in eine anregende Diskussion über mögliche Schnittmengen der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten und die spezifischen Herangehensweisen der zwei Teilprojekte in der Begabungsförderung.

Während im Teilprojekt 19 die Methode der PEP und deren digitale Umsetzung in der webbasierten App „meinPEP“ den Dreh- und Angelpunkt zur Erstellung und Fortschreibung von Entwicklungsplänen darstellt und unter Verwendung geeigneter Maßnahmen das Erkennen und Fördern von Begabungen unterstützt, nähert sich das Teilprojekt 18 der Begabungsförderung über die Entwicklung komplexer Aufgaben. Das bedeutet: Eine Aufgabe wird für eine Lerngruppe erstellt und bewirkt somit ein individualisierendes Arrangement, welches die unterschiedlichen Lernwege und Fähigkeiten der Schüler:innen offenbart und somit auch Differenzierung ermöglicht. Ergebnis der anregenden Diskussion waren spannende Leitfragen zur fachlichen und überfachlichen Förderung, welche in der späteren Kleingruppenphasen eine wichtige Rolle spielten.

Wo stehen die Schulen?

An die Projektvorstellungen und die Diskussion schloss sich eine dreißigminütige Arbeitsphase in Kleingruppen an. Um einen projektübergreifenden Austausch zu gewährleisten fanden sich in jeder Gruppe sowohl Schulen des TP18 als auch Schulen des TP 19 wieder. In dieser ersten Kleingruppenphase konnten alle Teilnehmenden den aktuellen Stand des Teilprojektes an ihrer Schule vorstellen, mögliche Potenziale identifizieren, die Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Materialien beschreiben und beurteilen, sowie aktuelle Herausforderungen benennen.

Die Gruppen nahmen sofort ihre Arbeit auf und gingen in einen regen Austausch. Der Arbeitsstand an den einzelnen Schulen ähnelte sich: In beiden Teilprojekten waren die Lehrkräfte mit den entwickelten Methoden bereits im Einsatz, wirkten häufig in einer Multiplikator:innenrolle und teilten ihre Sicht auf die Potenziale der Projekte. Beim Einsatz der Materialien bzw. Konzepte, las sich die Vielfältigkeit der Ergebnisse heraus: Die Lehrkräfte berichteten von konkreten Produkten wie Lernvideos und interaktiver Museen, welche aus der Arbeit mit „meinPEP“ resultierten. Die komplexen Aufgaben konnten auch fachübergreifend entwickelt und für das Kollegium verfügbar gemacht werden, auch wurden hier Chancen und Potenziale für den Einsatz an berufsbildenden Schulen erkannt. Die aktuellen Herausforderungen sind vor allem durch die Folgen der Covid-19-Pandemie geprägt, den mangelnden zeitlichen Ressourcen und die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Teamarbeit.  

Zurück im Plenum …

… konnten die Gruppen eine kurze Zusammenfassung ihrer Kleingruppenphase einbringen. Es entstand eine anregende Diskussion zu den Entwicklungs- und Einsatzchancen der jeweiligen Teilprojekte, den gemeinsamen Schnittmengen und Ideen für die Transferphase.

Die Professoren Hallet und Wollersheim setzten sich gegenseitig kritischen Fragen aus und machten somit deutlich: Der Einsatz komplexer Aufgaben kann bei der Identifikation begabter Schülerinnen und Schüler eine geeignetes Werkzeug darstellen und „meinPEP“ ist als webbasiertes Tool auch für die Arbeit mit mehreren Lerngruppen anwendbar, denn je mehr Lehrkräfte damit arbeiten, desto höher der zeitliche Gewinn.

Wie kommen die Schulen zusammen?

In der zweiten Kleingruppenphase ging es um die konkrete Verknüpfung der beiden Teilprojekte 18 und 19. Dafür wurden direkt aus der Diskussion am Morgen wichtige Leitfragen extrahiert und für die Lehrpersonen aufbereitet. So fragte diese Arbeitsphase die Lehrpersonen nach Erfahrungen und konkreten Ideen zur Verschränkung fachlicher und überfachlicher Förderung, den Bedingungen einer individuellen Förderung für eine breite Schülerschaft und dem Umfang einer möglichen personalisierten Begleitung und dem entsprechenden Unterstützungsmaßnahmen.

Wie schon in der Gruppenphase zuvor, gingen die Beteiligten in eine intensive und fruchtbare Arbeitszeit. Ergebnis dieser Phase waren Konzepte, die Verbindungen zwischen komplexen Aufgaben und der PEP-Methode herstellen. Beispielsweise könnten die PEP-Methode ein organisatorisches Rahmenkonzept darstellen, in welchem die komplexen Aufgaben als konkrete Maßnahme der Begabungsförderung angewendet und ausgeführt werden. Ebenso vorstellbar wäre es, dass die komplexen Aufgaben aus Teilprojekt 18 als diagnostisches Instrument die Auswahl der Schüler:innen für die PEP-Methode und innerhalb der App “meinPEP” unterstützen. Die entwickelten Vorschläge zum Erreichen einer breiten Schülerschaft fokussieren zum einen den Zugang zur WebApp „meinPEP“ auch für Schüler:innen, aber auch die Befüllung der Aufgaben- und Maßnahmenpools mit anregendem Material.

Kritischer Betrachtung unterlag die personalisierte Begleitung, da diese bislang nur für einzelne Schüler:innen realisierbar sei. Hier lag der Schwerpunkt auf entsprechenden Unterstützungsmaßnahmen, wie mehr Zeit für Dokumentation, mehr Personal um die (Weiter-)Entwicklung der Schüler:innen adäquat umzusetzen und das Gewinnen weiterer Kolleg:innen für die Projekte.

Abschlussrunde: Transfer?

Nach Vorstellung der erarbeiteten Konzepte lag der Diskussionsschwerpunkt auf der Verstetigung der beiden Teilprojekte an den Schulen und fragte nach den Bedarfen und Rollen der Teilnehmenden:

Für den Transfer werden mehr Zeit und Personal in den Schulen benötigt, aber auch Unterstützung seitens der Universitäten und Länder sind hier wichtig. Es gilt, die Multiplikator:innenrolle weiter zu festigen, nötige Erfahrungen zu sammeln und die Konzepte auszuprobieren. Ebenso „braucht es Erfolge“, denn der sichtbare Mehrwert schafft die nötige Akzeptanz.

Das Netzwerktreffen der Teilprojekte 18 und 19 war eine inspirierende Veranstaltung. Wir möchten an dieser Stelle den verschiedenen Landesinstituten und vor allem den teilnehmenden Lehrpersonen danken, die durch Ihre engagierte Zusammenarbeit über die Schulen hinweg, vielfältige und erfolgsversprechende Vernetzungspunkte und Ideen erarbeitet haben.